Das Land

 

Wie alles begann anno 2009...

Wir fuhren mit zwei bis an die Decke mit Zeug und Tieren vollgepackten Autos nach Ungarn, ich war extrem gespannt, wie mein neues Zuhause wohl aussehen würde, stellte es mir schon ziemlich spektakulär vor, da Christoph, der natürlich total verliebt in sein Land war, mir alles schon ausführlich in den schillerndsten Farben geschildert hatte, sodass vor meinem geistigen Auge eine üppig blühende Landschaft mit jeder Menge Obstbäumen und lauschigen Plätzchen entstanden war. Heute muss ich schmunzeln, wenn ich daran denke, da ich ja erstens eigentlich schon Christophs Fotos vom Land gesehen hatte und zum Zweiten Landschaften mit mitteleuropäischem Klima generell Anfang April noch nicht gerade üppig blühen, aber mein geistiges Auge sah das definitiv anders…

 

 

 

So erblickten meine echten Augen eben diesen Hektar, der nun auch meiner sein sollte, auf dem sich nichts befand als Gras, Robinien und ein paar Kirschbäumchen, wilden Äpfeln und Birnen, alle etwa schulterhoch und im Vorfrühling noch kaum als solche zu erkennen. Desweiteren stand da ganz verloren ein kleiner Wohnwagen, der bis auf weiteres unser neues Zuhause wurde. Diesen bezogen wir auch gleich und Christoph stellte mir quasi jeden einzelnen Grashalm persönlich vor. Unser Hektar ist nahezu quadratisch, umfasst also eine Fläche von hundert auf hundert Metern, ziemlich genau nord-süd-ausgerichtet; und wird von einem Holzzaun eingefasst, den im Laufe der Zeit eine lebendige Hecke aus Bäumen und Sträuchern ersetzen soll. Das obere Drittel ist eben, der Rest des Landes fällt sanft einen Hügel hinab. Jenes ebene Stück Land ist recht dicht bewachsen mit Robinien und bildet nun unseren kleinen „Privatwald“ rund ums Haus, auf dem Rest des Grundstücks finden sich die Robinien noch vereinzelt. Wir versuchen stetig einige zu fällen und durch andere Bäume zu ersetzen. Der Boden besteht aus schwerem Lehm und es gibt nicht einen Stein. Lehmboden bildet an sich eine gute fruchtbare Basis für mehr, hat jedoch auch die Eigenschaft bei Trockenheit sehr zu stauben und zu einer Art schmierseifeähnlichem Untergrund zu mutieren, wenn es regnet. Das erfreut das rallyebegeisterte Herz bei der Zufahrt zu unserem Grundstück bei schlechtem Wetter und treibt den Adrenalinspiegel von zarter besaiteten Seelen in ungeahnte Höhen.

 

Einen Teil des Hektars ließen wir pflügen und legten einen Gemüsegarten an. In Christophs erstem Jahr und zum größten Teil auch noch im zweiten Jahr verschwand im Sommer alles unter hüfthohen Goldruten, es bildete sich zusammen mit den Robinien wahrhaftig ein "Dschungel“. Stetiges Mähen half dem Rest der Vegetation langsam die Oberhand zu bekommen und es war interessant zu beobachten, was sich so durchsetzen konnte. In einem Jahr gewann die wilde Möhre das Rennen gegen die Goldruten und im Nächsten hatte sich schon eine schöne gemischte Magerwiese mit einer Vielzahl an Gräsern herausgebildet. Auf dem gesamten Hektar, vor allem im Bereich des Zaunes, der ja zur Hecke verwachsen soll, pflanzten wir Bäume. Im Hektar eher Obstbäume, in der Hecke eher Laubbäume, Ausserdem veredelten wir die ganzen wilden Apfel- und Birnbäume. Nun, Ende 2011, wuchsen in unserer Hecke Ahörner, Birken, Lärchen, Linden, Ulmen, Eichen, Blauglockenbäume, Edelkastanien, Rosskastanien, Tannen, Kiefern und auch Thujas, Gingko, Pappeln, Erlen, Walnuss, Zierkirschen und jede Menge Sträucher wie Sanddorn, Flieder und Haselnuss, alles natürlich noch in den Kinderschuhen. Wer unser Grundstück betritt, hat nun nicht mehr das Gefühl einen Dschungel zu betreten, nicht zuletzt wegen des Hauses, welches sofort ins Auge fällt. Mittlerweile entdeckt man aber auch Blumenbeete, eine Kräuterschnecke, einen Hühnerstall und einen Bienenkasten im üppigen Grün und es gibt einen gemähten „Wandelweg“ durch das ganze Grundstück. Wir schaffen es, von Jahr zu Jahr immer ein weiteres Stückchen Land zu beseelen und es gibt noch jede Menge Pläne, wie zum Beispiel dem Bau einer Sauna und das Anlegen eines Sees…

 

... to be continued

Mitglied im Verein terra animam