Das Geflügel

 

 

Im Sommer 2010 bekam ich zum Geburtstag meine erste Glucke mit einem Küken geschenkt. Darauf recht unvorbereitet, bauten wir ihnen einen provisorischen Hühnerstall und ein Gehege aus einer alten Hundehütte, ein paar Latten und etwas Kaninchendraht nahe des Hauses. So konnten sich Hunde, Katzen und Hühner erst mal stressfrei beschnuppern. Als das Küken größer wurde, machten die beiden allerdings lautstark klar, dass ihnen dieses Provisorium langsam zu eng wurde. Von da an liefen sie tagsüber frei herum, nachts schliefen sie nach wie vor in der Hundehütte. Die Glucke verschaffte sich vom ersten Freilauftag an durch die Methode „Angriff als beste Verteidigung“ Respekt bei den anderen Tieren und vor allem die Katzen machten sehr schnell einen großen Bogen um sie. So lief alles prima bis zu einem traurigen Tag im nächsten Frühjahr, als das mittlerweile ausgewachsene Küken sich mit dem neuen Nachbarskater anlegte und dabei den Kürzeren zog. Damit die Glucke nun nicht einsam war, besorgten wir ihr ein anderes Huhn aus dem Dorf, das sich ziemlich schnell gut einlebte. Da diese zwei Hühner nicht unsere einzigen bleiben sollten und Hühner ja eigentlich nicht in Hundehütten gehören, beschlossen wir, endlich den Bau eines richtigen Hühnerstalles in Angriff zu nehmen. Wir errichteten ein richtiges kleines Haus mit schön isolierten Wänden. Davor bauten wir ein Gehege aus Maschendrahtzaun und Akazienästen, das genug Auslauf und schattige Plätzchen für unsere „Vögel“ bot. Gerade zu dieser Zeit gab es in unserem Dorf eine Initiative, bei der alte Dorftraditionen wiederbelebt werden sollten. Zu diesem Zweck bekam jede Familie zehn Hühner geschenkt, die ihren Garten beleben und die Versorgung mit Eiern und Fleisch unterstützen sollten. Wir machten mit und erhielten so auch zehn Exemplare, die jedoch nur mit viel Phantasie als Hühner zu bezeichnen waren. Sie stammten allesamt aus Legebatterien und sahen dementsprechend aus: dürr, kahl, blutleer und mit abgebrochenen Schnäbeln und Krallen. Wir eröffneten also ein „Hühnersanatorium“ und die zehn Rekonvaleszenten eroberten sich gemeinsam mit unseren zwei „Alten“ ihr Hühnergehege. Leider währte ihr Glück nicht lange, denn nur zehn Tage nach ihrem Einzug schlich sich ein Hund aus dem Dorf in den noch nicht ganz fertigen Hühnerstall und biss alle zwölf Hühner tot. Das war ein rabenschwarzer Tag für uns und wir schworen uns, erst wieder Hühner zu haben, wenn Stall und Gehege zu einem „Hühneralcatraz“ ausgebaut sind. Durch diese Rechnung machte uns allerdings Christophs Freund Simon einen Strich, als er zwei Wochen später mit drei süßen Küken der Rasse „Marans“ zu Besuch kam. Dem war natürlich nicht zu widerstehen und die alte Hundehütte wurde reaktiviert, wo die drei ihre Kindertage sicher verbringen konnten. Währenddessen hatten wir Zeit, Hühnerstall und Gehege fertig zu stellen und zu verbessern. Ich war schon seit längerer Zeit fasziniert von den Riesenhuhnrassen „Brahma“ und „Cochin“ mit ihren befiederten Krallen, der „Belatschung“. Neben dem, dass ich sie einfach schön fand, hoffte ich, dass sich so große Hühner auch besser gegen eventuelle Feinde wie den Habicht zur Wehr setzen können. Wir entschieden uns für die friedlicheren Cochins und holten drei junge Hennen und einen Hahn aus Österreich, die zusammen mit den drei Marans-Hühnern den Stall neu belebten und bis jetzt prächtig wachsen und von Tag zu Tag schöner werden!

 

Wie ich mich in die Cochins verliebte, so verliebte Christoph sich in Gänse. Deswegen bekamen wir im Sommer noch ein junges Graugänsepaar, das zusammen mit den Hühnern das Gelände unsicher macht. Die Gänse erwiesen sich als neugierige, bisweilen sogar ziemlich freche Charaktere, die unsere Geflügelschar wirklich bereichern. Wir hoffen, dass sie, genauso wie die Hühner, im Frühjahr Eier legen und sie ausbrüten werden. Dort, wo Christoph die Gänse abholte, bekam er „gratis“ noch etwas dazu: Ein Japanisches Zwerghuhnpärchen. Ein Hahn und eine Henne in Miniaturausführung. Sobald die zwei sich bei uns eingewöhnt hatten, legten sie los mit Eierlegen, setzten sich dann drauf und nun haben wir neben den zwei „Großen“ noch vier weitere kleine Minihühner.

Ein paar Appenzeller Spitzhauben gaben ebenfalls Anlass zum Schmunzeln, da sie mit ihrem edlen schwarz-weiß-gefleckten Gefieder und der auffälligen Federhaube aussehen wie ein paar fürs Pferderennen herausgeputzte Damen, die unter eine Schar von Bauern geraten sind.

 

2016

Im Laufe der Jahre ab es einiges an Fluktuation in der Geflügelschar - das Federvieh lebt nicht ungefährlich, so frei auf weiter Feld und Flur... Eine Kombination aus neugeschlüpften Küken und Verlusten durch Raubvögel, Füchse, streunende Hunde, die nervige rote Vogelmilbe und mysteriöse Fälle von plötzlichem Hühnertod halten unsere Hühnerzahl auf plus/minus zwanzig. Aktuell mit dabei: Cochins, Brahmas, Marans, Grünleger, ein paar "gemeine" Legehühner und zwei Gänse.

 

 

Mitglied im Verein terra animam